Erfolg beim Lernen = Erfolg im Leben ☺

Wie können wir erfolgreich lernen?

In meinem heutigen Blogartikel werde ich dazu drei Bereiche näher betrachten und anschließend Konsequenzen schlussfolgern:

1) Was braucht es für Lernerfolg?

2) Welche Grundmenschentypen gibt es und was hilft mir diese Info?

3) Was ist der Lernberg?

4) Schlussfolgerungen

 

1) Lernerfolg

KAWA nach Vera F. Birkenbihl

ERN – Welle (= error related negativity/nanu Welle)

Wenn wir Menschen einen Plan oder ein Ziel verfolgen, dann kommt es, wenn uns das Thema interessiert, zur Dopaminausschüttung im Gehirn. Wenn uns dann dabei ein Fehler passiert, gibt es drei mögliche Szenarien die uns weiterhelfen oder nicht. Ich nehme jetzt einmal uns Lehrer als Beispiel :).

erstes Szenario:

Wir registrieren den Fehler unbewusst und verbessern ihn.

Bsp: Wir merken unbewusst, dass wir zu schnell vorgehen und wiederholen oder erklären ein Thema nochmals.

Es erfolgt eine sehr kurze ERN-Welle und wir verändern unser Verhalten unbewusst.

zweites Szenario:

Der Fehler kommt in unser Bewusstsein und wir korrigieren ihn selbst.

Bsp: Wir merken, dass wir die Kinder bei einem Thema schon zu lange in Anspruch nehmen und sie müde werden und bauen eine auflockernde Übung/ kurze Turnsequenz in unseren Unterricht ein.

Es erfolgt wieder eine kurze ERN-Welle und danach widmen wir uns wieder der Tätigkeit und das Hirn schüttet beim Erreichen des Ziels/Plans Serotonin aus.

Wir bilden in Szenario eins und zwei Selbstvertrauen aus und gewinnen Selbstsicherheit und Vertrauen in unsere Fähigkeiten.

drittes Szenario:

Jemand kritisiert uns für unser Fehlverhalten (=holt es zwanghaft in unser Bewusstsein). Wir werden zögerlich und verfallen in Panik. Die Dopaminproduktion wird eingestellt und wir verfallen in die ERN – Welle. Wenn das immer wieder passiert, werden wir zunehmend unsicher und verlieren unser Selbstbewusstsein und unsere Lernlust.

Bsp: Der Schulinspektor ist bei uns zu Besuch und wir versuchen alles perfekt zu machen und dennoch sind wir mit den schwierigen Schülern unsere Klasse in einer Sequenz überfordert und es wird anschließend kritisiert.

Wir hätten es vermutlich auch so registriert und verbessert, allerdings ohne negativen Stresseffekt ;).

 

Interessantes aus der Forschung:

Benjamin Bloom hat in seinem Buch „Developing talent in young people“ untersucht welche Voraussetzungen Kinder brauchen um später im Leben erfolgreich zu werden. Er hat dabei vor allem auf folgende Gruppen Rücksicht genommen: Künstler, Athleten und Forscher.

Daher eine kurze Zwischenfrage.

Welche Faktoren waren entscheidender für den späteren Erfolg:

  • Begabung/Talent
  • Begeisterungsfähigkeit
  • Entschlossenheit beim Üben
  • Sonstiges

 

Bitte kurz notieren, was du glaubst, denn auch ich habe falsch getippt ;).

Tada …….

 

 

Es war tatsächlich die Entschlossenheit beim Üben der ausschlaggebende Unterschied.

Auch die Eltern erfolgreicher Kinder hatten einige Gemeinsamkeiten:

1.) Fragen stellen war erwünscht und Neugierde wurde gefördert. Es wurde gemeinsam Entdeckerfreude praktiziert. Wenn die Eltern etwas nicht wussten wurde nachgesehen oder nachgeforscht. Es stand nicht die Antwort im Vordergrund, sondern der offene und wache Geist.

Fragen wie: „Warum ist der Himmel blau?“, sind ja oft bei Lehrern sehr unbeliebt, weil sie nicht beantwortet werden können ohne selbst Wissenslücken zuzugeben ;).

2.) In allen Elternhäusern wurde die Selbstständigkeit gefördert.

Bsp: Eigenes Jacke an- und ausziehen und Schuhbänder binden wird zugelassen, auch wenn es mehr Zeit in Anspruch nimmt.

3.) Es wurde in allen Elternhäusern fleißig die Tätigkeiten der einzelnen Interessen geübt.

Bsp: täglich Klavier üben, täglich Sport treiben oder täglich kreative Fragen stellen ;).

Jeder kennt bestimmt den Spruch: „Kein Meister fällt vom Himmel“ und in vielen Fällen scheint er sich zu bewahrheiten.

2) Welcher Menschengrundtyp bist du?

 

dav

 

Es macht im Leben einen entscheidenden Unterschied ob man seine Stärken und Fähigkeiten kennt und für den richtigen Beruf einsetzt.

Vera F. Birkenbihl unterscheidet hier:

  • Menschen die an Leuten orientiert sind
  • Menschen die an einer Aufgabe orientiert sind

Niemand ist natürlich nur das eine, oder nur das andere, allerdings weisen wir starke Tendenzen in eine Richtung auf.

Hier wäre eine gute Übung sich selbst zu fragen, in welchem der Bereiche man sich selbst eher wiederfindet. Im Alltag kann man schauen: Was kann ich besonders gut? Kann ich gut mit Menschen umgehen? Hören mir Menschen gerne zu? Habe ich schon einmal Komplimente dafür bekommen? Bin ich gerne am Schreibtisch und lese Fachliteratur? Schreibe ich gerne Bücher und arbeite selbstständig oder umgebe ich mich gerne mit anderen?

Je nachdem welcher Typ du bist, ist auch ein anderer Beruf geeignet, bzw. ist es eventuell schwieriger eine bestimmte Arbeit auszuführen. Natürlich gibt es auch Tätigkeiten, wo beide Fähigkeiten von Belang sind. Ich denke dabei z.B an Ärzte. Da ist sowohl eine gute Fachkompetenz, als auch der gute Umgang mit Patienten wichtig.

Auch bei Lehrern will ich die Fachkompetenz nicht schmälern, allerdings ist hier eindeutig der liebevolle Umgang mit Kindern die Grundvoraussetzung um diesen Beruf mit Leidenschaft zu ergreifen.

Als Physiker oder Mathematiker steht natürlich die Selbständigkeit und das zu lösende Problem im Vordergrund und somit ist das ein guter Beruf für Menschen die gerne erforschen und somit an Aufgaben orientiert sind.

 

3) Der Lernberg

Lernberg

 

Vera F. Birkenbihl spricht in ihren Kursen und im Buch „Trotzdem Lehren“, dass ich allen Lehrern wärmstens ans Herz lege, über den Lernberg.

Sie unterstreicht in allen Vorträgen und Beiträgen, wie wichtig es ist im Anfängerbereich (oben mit E gekennzeichnet) ohne Kritik und Frust zu lernen. Das spielerische Probieren und Lernen ohne Angst ist für Sie hier essenziell und Kritik führt ihrer Meinung nach in diesem Teil des Lernens nur zu andauernden ERN-Wellen und daher Lernunlust.

Die Kinder verfügen in dieser Lernphase nur über ein loses Wissensnetz und können noch auf wenig bis kein Vorwissen zurückgreifen. Daher bringt es nichts, sie zu verbessern, da sie sich vorher das Grundwissen durch incidentales bzw. spielerisches Wissen erst erlernen sollen.

In der nächsten Phase ist der Fleiß dann von großer Bedeutung. Je mehr ein Kind sich interessiert und die neuronalen Verbindungen ausbaut, desto ausgeprägter werden die Verknüpfungen und desto besser wird das Kind in einem Bereich bzw. desto mehr weiß das Kind.

Im Profibereich ist Feedback sogar für den Fortschritt sehr wichtig, da wir selber verstehen, was und wie wir uns genau verbessern können.

Ein Beispiel aus dem Sport, aus eigener Erfahrung: Am Anfang beim Skifahren, musste ich mich noch sehr auf die Grundtechnik konzentrieren, um überhaupt die Skipiste hinunter zu kommen. Als ich eine solide Vorerfahrung hatte, konnte ich lernen den Oberkörper nicht bei jeder Drehung mitzubewegen und habe die Anweisungen auch verstanden. Am Beginn wusste ich nie, was damit gemeint war ;).

 

4) Was heißt das jetzt konkret für uns Lehrer bzw. für alle Lernenden?

Wir sollten Kinder oder Lernanfänger gerade am Beginn nicht kritisieren und verbessern und somit lange ERN-Wellen erzeugen, sondern sie begleiten und eine Umgebung schaffen in der die Kinder ohne Furcht und Angst Fehler machen dürfen um sich täglich zu verbessern.

Ich bin sowieso ein Freund der positiven Betrachtungsweise. Somit kann man hier gleich üben die Stärken der Kinder zu sehen und sie in ihrem Tempo lernen zu lassen, statt sie durch den Stoff zu hetzen :).

Benjamin Bloom zeigt uns, wie wichtig es ist Kindern ihre Neugierde zu erhalten und sie sogar anzuhalten Fragen zu stellen und diese zu ergründen. Dabei dürfen wir als Lehrer, meiner Meinung nach, auch zugeben, wenn wir etwas nicht wissen und ebenfalls nachsehen müssen. Das nimmt für alle Beteiligten viel Druck aus einigen Situationen ;).

Auf die Selbstständigkeit in der Klasse sollten wir großen Wert legen und die Kinder, in ihrem Tempo die Dinge selber erledigen und ausprobieren lassen. Ich übe mich im Moment selber in meiner Vorschulklasse täglich in Gelassenheit :).

Auch dem Üben kommt eine große Bedeutung zu. Das heißt für uns Lehrer nicht nur Stoff in die Hirne reinpauken lassen – Vera F. Birkenbihl nennt das nicht so liebevoll Bulimielernen, sondern die wichtigen, grundlegenden Dinge immer wieder auf andere Weise und am besten spielerisch in den Unterricht zu integrieren.

Beim Grundtyp, egal welcher Typ wir sind, können wir uns fragen ob wir auf unsere Schüler schauen, oder gerade nur unseren heißgeliebten Stoff durchboxen wollen. Oder im umgekehrten Fall auch darauf achten, den fachlichen Inhalt nicht immer zu vernachlässigen, bzw. ihn gut vorzubereiten ;).

Der Lernberg zeigt, dass Kritik, bzw wie ich es lieber nenne Feedback, sinnvoll ist, wenn der Lernende versteht was er konkret verbessern kann und das Grundwissen hat um sich darin zu verbessern.

 

Quellenangaben für Interessierte:

Vera F. Birkenbihl: DVD Erfolg

Ein bunter Strauß Wissen: Vera Birkenbihl im Gespräch 6.9.2010 auf www. gea.de

Bloom, B (1985) Developing talent in young people. New York: Balantine Books

Vera F. Birkenbihl, Trotzdem Lehren, mvg Verlag, 7. Auflage 2017

 

 

Ein Gedanke zu „Erfolg beim Lernen = Erfolg im Leben ☺“

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