Die Hattie – Studie

Die wichtigsten Ergebnisse für uns Lehrer

In meinem heutigen Blogbeitrag fasse ich kurz und prägnant die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Grundsätzliches

Hattie hat untersucht welche Faktoren einen positiven Einfluss auf den Lernerfolg haben.

Nach dem Motto „what works best“ hat er die wichtigsten Faktoren herausgehoben (Mittelwert steigt über .40 = der Durchschnitt der Klasse verbessert sich maßgeblich).

Wichtig ist für Hattie ein „visible teaching and learning“ und dafür braucht es laut Hattie folgende Punkte:

  • das aktive Lernen jedes einzelnen als Ziel
  • Lernen als Herausforderung
  • wenn Lehrer und Schüler auf verschiedenen Wegen überprüfen ob Ziele erreicht werden, wenn Feedback gegeben und nachgefragt wird
  • wenn aktive, leidenschaftliche und engagierte Menschen am Akt des Lernens teilnehmen

Hatties Lehrerbild

Ein Lehrer sollte leidenschaftlich handeln und eine ansteckende Wirkung auf Kinder haben.

Die Lehrenden sollen ihr Unterrichtshandeln immer wieder selbstkritisch überprüfen. Dabei spielt Feedback und Reflexion eine große Rolle.

Feedback:

  • Feedback an die Kinder – Fragen: Wo stehe ich? Was kann ich verbessern? Selbstverantwortung der Kinder rückt in den Fokus
  • Feedback von den Kindern und Eltern an die Lehrperson

Lehrpersonen sind der Mittelpunkt im Unterrichtsgeschehen. Seine Aussage dazu: „What teachers do matters!“

Seine unverzichtbaren Grundbedingungen des Lernens sind:

  • strukturierte, klare und störungspräventive Unterrichtsführung
  • unterstützendes, schülerorientiertes Sozialklima
  • kognitive Aktivierung der Schüler
  • fehlerfreundliche Feedbackkultur

Das Lehrerhandeln im Unterricht ist sehr wichtig und sollte oben genannte Grundbedingungen umfassen.

Beispiel: In Schweden wurden in sozialen Brennpunktschulen sogenannte „Superlehrer“ eingesetzt und die Klassen steigerten sich zu den besten Klassen des Landes!!!

Zentrale Befunde

Drei wichtige Merkmale

1) evaluative Vorgehensweise:

  • Lernmöglichkeiten der Kinder
  • Lernstand der Kinder
  • Lernprozesse ansehen und reflektieren
  • Lernerträge der Schüler

Beispiel aus meiner 4. Klasse: Lerntagebuch führen, individuelle Rückmeldung mit einem Ampelsystem und Behandlung der Lerntypen im Unterricht mit vielfältigen Anwendungen (z.B: während dem Herumgehen lernen, mit Leuchtstiften anstreichen, wichtigste Inhalte herausschreiben, vorsagen, jemand anderem Erzählen)

Wer Feedback von Kindern und Eltern einholen will findet auf folgender Seite gute Fragebögen:   www.iq.hessen.de

2) Strukturierung, Regelklarheit und Klassenführung – Die Kinder müssen genau wissen, was zu tun ist oder erlaubt/verboten ist.

Beispiel: Reflexion der Lehrperson und gegenseitiger Austausch von Kollegen mit „best practice“ Beispielen. Ein offenerer Umgang bei Fehlern wäre bei Lehrern und Schülern wünschenswert, denn nur durch unsere „Fehler“ lernen wir dazu und können uns verbessern.

3) aktivierende Lernstrategien für einen spannenden Unterricht.

Die besten Ergebnisse zu aktivierenden Lernstrategien:

  • reziprokes Lernen: Schüler werden zu Lehrenden und erklären Lerninhalte entweder vor der Klasse oder einzelnen Schülern
  • meta-kognitive Strategien: Die Schüler übernehmen Verantwortung für ihr Lernen. Sie stellen sich selber Fragen: Wie, wo und unter welchen Umständen lerne ich am besten? Welcher Lerntyp bin ich?
  • problem-solving teaching: ein Problem steht im Vordergrund und die Kinder sollen eine Lösung dafür finden (z.B Einstieg in ein Thema)
  • teacher clarity: kurze, genaue Anweisungen und viel Übungszeit
  • Feedback
  • goal challenging: herausfordernde Ziele für die Schüler kommunizieren
  • kooperatives Lernen: die Kinder müssen dabei klar wissen wer welche Rolle in der Gruppe hat
  • Lehrer-Schülerbeziehung: Zuwendung, Empathie, Ermutigung, Respekt, große Leistungserwartungen und gutes soziales Miteinander in der Klasse

 

bei leistungsschwachen Schülern:

Gute Ergebnisse erzielten Leseprogramme, Wortschatzprogramme und fachspezifische Programme am Computer.

 

Überraschungen und Enttäuschungen der Studie:

 

  • geringer Effektmaß von Hausaufgaben (vor allem bei schwächeren Schülern)
  • systematische Elternarbeit ist sehr einflussreich: Eltern sollen wissen wie sie ihr Kind unterstützen können (Lernprogramme, Material, Einstellungen zur Schule)
  • wichtiger ist eine gute Rhythmisierung des Lernens, als die Lernzeit an sich: lieber mehr Wiederholung und dafür kürzere Einheiten
  • offenes Lernen ist nur sinnvoll wenn eine klare Strukturierung vorliegt, herausfordernde, aktivierende Inhalte enthalten sind und eine passende Rhythmisierung gegeben ist. Offenes Lernen alleine hat zu wenig Effekt.
  • Auch angeleitete Phasen „direkter Instruktion“ sind wichtig: gut strukturiert und angepasst an das Vorwissen der Lernenden
  • Hattie sieht den Lehrer als aktiven Unterrichtsgestalter, der genau weiß was in seiner Klasse vorgeht, sich die passenden Unterrichtsmodelle heraussucht und verschiedene Lernformen gut miteinander verbindet
  • Am Schluss betont Hattie nocheinmal die herausragende Rolle der Lehrperson auf den Lernerfolg: sowohl persönliche Merkmale (Einstellungen, Haltungen) als auch unterrichtliche Verhaltensweisen der Lehrperson beeinflussen den Lernerfolg maßgeblich
  • Selbtwirksamkeitsprüfung ist sehr relevant: Fragebögen zur Unterrichtsqualität

Auszug aus dem Artikel namens „Gute Lehrer“ untermauern Hatties Statements:

  • Fachwissen mit didaktischem Geschick vermitteln
  • Das Wissen, wie Schüler und Eltern zu beraten sind
  • Feuer für den Unterricht schüren
  • selber von den Fächern begeistert sein

Stavros Louca (Superlehrer aus Schweden):

  • Erst die Regeln dann die Freiheit/Individualität
  • Persönliche Begrüßung der Kinder an der Klassentüre
  • Respektvoller Umgang miteinander. Als Lehrer sollte man nicht sagen: „Das ist falsch!“ Eine freundlichere Formulierung wäre: „Bist du sicher? Wissen die anderen weiter?“
  • Jede Lerneinheit als Herausforderung sehen: „Knackt ihr auch diese harte Nuss?“
  • Bloß nicht beschämen: Kraft des Respekts und der positiven Verstärkung
  • sich gegenseitig zu helfen sollte in der Klasse sein, denn dann kann jeder sich verbessern
  • Rhythmisierung: Lerneinheit/ Meditationsübung/ Scherze/ Gruppenarbeit/ Einzelarbeit/ Frontalunterricht/ Erklärungen für Einzelne/ persönliche Anekdoten/ Showeinlagen oder Bewegung

Quellen für Interessierte:

Geo Heft 2/2011, Artikel „Gute Lehrer“

Schulqualitätsentwicklung: Die Hattie Studie Hintergrundartikel von Ulrich Steffens und Dieter Höfer zur Studie von John Hattie („Visible Learning“, 2009) Mit freundlicher Genehmigung des Instituts für Qualitätsentwicklung, Wiesbaden. Stand: 05.05.2014 – zu finden im Internet auf der SQA Seite

 

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