Meine Highlights „Wichtige Infos mit Baby“ – Beziehung und Bindung

Beziehung und Bindung

Menschenbabys sind eigentlich Frühgeburten (im Sinne der Selbstversorgung), unglaublich pflegebedürftig und auf uns Erwachsene angewiesen.

Unsere Babys kennen am Beginn ihres Lebens (gerade in den ersten Monaten) keinen Dringlichkeitsunterschied in ihren Bedürfnissen. Sie nehmen ihr derzeitiges Bedürfnis als überlebensnotwendig wahr und denken sie werden sterben, wenn es nicht erfüllt wird.

Sofortige Reaktion auf das Weinen des Babys bzw. seiner Bedürfnisse verstärkt die Bindung, was eine Positivspirale in Gang setzt. Je fürsorglicher eine Mama mit ihrem Baby umgeht, desto bessere Instinkte entwickelt sie und umso kompetenter wird sie im Umgang.

Bsp: Das Baby kommuniziert, dass es Hunger hat, die Mama versteht es sofort und stillt das Baby (oder gibt ihm sein Fläschchen). Das Baby ist wieder glücklich und hört auf zu weinen. Die Mutter fühlt sich kompetent und wird sich das nächste Mal wieder rasch um die Bedürfnisse kümmern.

Eine wichtige Erkenntnis

Die Fähigkeit einem Plan nachzugehen und ihn auszuführen entwickeln Kinder erst mit fünf bis sieben Jahren. Sie können uns im Kleinkindalter schlichtweg nicht manipulieren, wie das in vielen Redewendungen und Ansichten noch immer behauptet wird. Auch die Fähigkeit Gefühlen nicht mehr hilflos ausgeliefert zu sein (Trotzanfälle und co), bildet sich bei Kindern erst mit fortlaufender Hirnentwicklung.

Aber???

Was macht das zweijährige Kind, dass die Milch am Glas vorbeischüttet und uns angrinst?

???

Es testet seine Selbstwirksamkeit und will sehen wie wir reagieren. Es hat aber nicht die Absicht uns zu ärgern oder zu manipulieren, sondern es will sehen ob es seine Umwelt durch seine Taten beeinflussen kann.

Hier können wir viel bewirken:

Im ersten Lebensjahr wird entscheidend über die Glücksfähigkeit des späteren Menschen entschieden. Babys die im ersten Lebensjahr wenig Nähe erfahren haben und deren Bedürfnisse erst spät befriedigt werden, können später (als Erwachsene) weniger Glückshormone ausschütten als Babys die mit viel Fürsorge begleitet wurden.

In Stresssituationen (Wutanfall, Trotzanfall) schaltet sich bei unseren Klein-Menschen das Reptiliengehirn ein und das Wegsperren beziehungsweise aufs Zimmer schicken ist kontraproduktiv, da sich das Kind nicht beruhigt und keine besseren Möglichkeiten zur Bewältigung findet. Wichtig ist es dem Kind zu helfen wieder mit sich in Verbindung zu gehen und wenn es sich mit unserer Hilfe beruhigen konnte, kann man auch über die Situation sprechen.

Bis zu einem Alter von ca. zwei bis vier Jahren sind Kinder nicht in der Lage sich alleine zu beruhigen.

Wichtig: Resignation ist keine Selbstberuhigung. Wenn auf das Schreien z.B von einem Baby nicht eingegangen wird, gibt es irgendwann auf. Das hat aber nichts damit zu tun, dass es dann keinen inneren „Stress“ erleidet.

Ein tolles Bild aus dem Buch „Baby Basics“:

Wir stellen uns ein Auto vor. Das Gas ist der Sympathikus, der beim Kind gut entwickelt ist, da er für das Überleben notwendig ist. Manchmal muss man jedoch mit einem Auto auch bremsen. Hierfür brauchen Babys den Parasympathikus der jedoch erst durch Training aktiviert wird. Wenn ein Kind in Beisammensein mit seinem Fahrschullehrer (Mama, Papa) lernt auch zu bremsen (sich zu beruhigen), wird es dies auch später können und bis dahin fährt das Auto mit Unterstützung wieder ruhig vor sich hin.

action blur car child
Photo by Nubia Navarro (nubikini) on Pexels.com

.

Sehr gut gefällt mir bei dem Umgang mit dem Kind auch die Frage: „Würde ich meinen Partner oder eine Freundin so behandeln, wie ich gerade mit meinem Kind umgehe?“

Wir können also auch mit unseren Kindern in Beziehung gehen und sie in schwierigen Situationen begleiten. Wir dürfen ihnen zeigen, dass wir traurig sind oder wütend, sie dabei aber nicht im Stich lassen. Wir können z.B sagen: „Ich bin jetzt gerade sehr wütend, weil du den Teller auf den Boden geschmissen hast. Ich muss jetzt kurz ein paar Mal tief ein und ausatmen. Ich habe dich gebeten nicht mit dem Geschirr zu spielen. Dass es jetzt kaputt ist macht mich sehr wütend.“  Dann kann man gemeinsam die Scherben aufräumen.

Wenn wir ein Kind in dieser Situation mit Beziehungsabbruch bestrafen, lernt es ohnmächtig und frustriert zu sein und wird das auch in seinem späteren Leben ausleben.

Wenn wir mit unseren Kindern in Beziehung gehen, lernen sie das sie Einfluss auf ihr Leben haben und es selbst gestalten können.

Zwei Praxistipps zum Schluss:

Verschaffe dir Zeit zum Nachdenken, indem du sagst: „Lass mich kurz darüber nachdenken …“ Das gibt unserem Gehirn die Pause, die es vielleicht braucht um nicht in gelernte/anerzogene Muster zu verfallen.

Schaffe in deiner Wohnung eine „Ja-Umgebung“, damit du dem Kind nicht andauernd etwas Verbieten musst, was unnötig ist. Achte also darauf, dass möglichst viele Gegenstände in dem kindlichen Umkreis auch erlaubt sind.

Infos aus dem Buch:

Diana Schwarz, Frauke Ludwig, Baby Basics – Alles was ihr über euer Baby wissen solltet, Verlag: Kösel 2018

 

 

 

 

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